Foto: Brandenburger Tor von Olaf Schneider / pixelio.de

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Historie der Konditoren Innung Berlin

Wer die Aufgabe übernimmt, eine Chronik über die 250 jährige Geschichte der Berliner Konditoren-Innung zu schreiben, steht zunächst einmal vor dem Problem, die vielen Geschichten und Geschichtchen, Anekdoten, Erlasse, Biographien und Erinnerungen aus über 100.000 Tagen wechselvoller Zeitgeschichte zu sichten. 

Ganz von selbst wird dem Betrachter, hat er sich erst ein wenig durch die Fülle des Materials durchgearbeitet, bewusst, dass das Schicksal dieser traditionsreichen "Handwerks-Innung" mit dem Schicksal unseres Berlins verbunden ist.

Angefangen hatte es in der aufstrebenden Hauptstadt des jungen Preußen, als vor 250 Jahren die Innung der Berliner Pfefferküchler ihre ersten Statuten erhielt.

Am Anfang stand die Kunst der Franzosen

Die Schokoladentrinkerin, dargestellt von dem französischen Maler Jean-Francois de Troy (1679-1752) Die Schokoladentrinkerin, dargestellt von dem französischen Maler Jean-Francois de Troy (1679-1752)
Die eigentlichen Ahnen der heutigen Konditoren waren im 17. und 18. Jahrhundert die Zuckerbäcker des französischen Königshofes, deren Kunst sich schnell in Europa verbreitete. Und sicher ist ebenso, dass kunstvolle Bereitung von Fruchtpasten aus arabischen Ländern über Italien zu uns kam. Alten Urkunden zufolge wurde das reine Zuckerbäckerhandwerk in Berlin schon im Jahre 1578 ausgeübt. Bestimmt eine Anlehnung an die Herstellungstechniken der frühen Apotheker.

Diese hatten zunächst versucht, mancherlei Verabreichungen in eine "süße Verpackung" zu stecken, die sogenannten medizinischen Bonbons. Hätte man vor 250 Jahren schon die schöne Kunst der Fotografie gehabt, sicher würde im heutigen Innungshaus ein Großfoto vom denkwürdigen 5. September 1726 ausgestellt sein. Das nämlich ist der Gründungstag, an dem 6 Meister des ehrsamen Pfefferküchler-Handwerks vom preußischen König Friedrich Wilhelm das "Privileg von königlichen Gnaden" zum Zusammenschluss in einem Gewerck erhielten. In diesem Statuten-Rahmen bewegte sich von nun an das Geschehen "des Gewercks" der rührigen Pfefferküchler.
Übrigens waren die älteren Berliner Innungen, die bereits Ende des 13. Jahrhunderts entstanden, die sogenannten "Viergewercke" Bäcker, Schuhmacher, Tuchmacher und Knochenhauer. Regelmäßig berichteten jetzt die Protokollbücher der jungen Innungen über Meisterprüfungen, Rechnungs-legungen und das Ein- und Ausschreiben von Lehrstellen. Dass der Zusammenschluss der Pfefferküchler nicht immer das reinste "Honigschlecken" war, dafür sorgten schon die hohen finanziellen Belastungen des Staates.

Auch eine Reformgesetzgebung wurde von den Zünften 1811 nicht als unbedingte Wohltat empfunden. Die Einführung der Gewerbefreiheit erhärtete nicht nur den Konkurrenzkampf, sondern, wie die Klagen der Pfefferküchler vorbrachten: "Es steht zu befürchten, dass Betrug und Pfuscherei die Folgen des freien Wettbewerbs sein würden". Und so, durch Kriegsjahre und Konkurrenz gezwungen, konzentrierten die Pfefferküchler alle Kräfte, um den in den 20er Jahren des 19. Jahrhunderts in Berlin gegründeten Konditoreien ebenbürtige Konkurrenten zu werden.